Weinlese so früh wie nie

Rekordsommer 2018: Weinlese beginnt so früh wie nie

So früh wie nie zuvor hat die Weinlese 2018 in Deutschland begonnen – bereits am 6. August in einem Weingut bei Lörzweiler im Kreis Mainz-Bingen. Dies gab Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts, bekannt. Der ausdauernd heiße Sommer „knackte“ den bisherigen Rekord aus den Jahren 2007, 2011 und 2014, als jeweils am 8. August gestartet wurde. Aus den ersten Trauben der Sorten Solaris, Ortega, Bacchus und Huxel soll Federweißer entstehen.

Wettbewerbsvorteil für Federweißen aus Deutschland

„In diesem Jahr sind wir extrem früh dran“, sagte Büscher. „Der Entwicklungsstand der Reben ist dem 30-jährigen Mittel um gut drei Wochen voraus.“ Seit 1988 stiegen die mittleren Temperaturen im Rheingau kontinuierlich an – ein deutliches Indiz für den Klimawandel. Das insgesamt und global so verhängnisvolle Phänomen – das dieses Jahr so viele Landwirte besorgt auf verdorrte Viehweiden und Felder blicken lässt – wirkt sich im Weinbau unterschiedlich aus.

Während viele Landwirte unter der Dürre leiden, profitieren manche Winzer

Isoliert betrachtet lassen sich mancherorts sogar einige „positive“ Effekte hineininterpretieren. So begünstige der frühe Lesebeginn den deutschen Federweißen im Wettbewerb mit seiner italienischen Konkurrenz, wie Albrecht Ehses von der Industrie- und Handelskammer Trier meint. „Im Vergleich zum Federweißen aus Apulien sind wir sonst vier Wochen hinten dran, in diesem Jahr können wir das schneller aufholen.“ Ehses rechnet damit, dass deshalb 2018 mehr deutscher Federweißer abgesetzt werden könne.

Skeptiker gießen etwas Wasser in den Wein

Bei Winzer Manfred Lindicke aus Werder in der Uckermark ist die Vorfreude nicht ganz ungetrübt: „Die Weine werden einen hohen Zuckergehalt haben.“ Ob die Inhaltsstoffe da mithalten, werde sich erst im Keller herausstellen. 2016 gab es gute Weine, die sich aber schlecht verkauften, weil sie zu alkohollastig waren. Heute seien vor allem trockene Weine gefragt.

Hauptlese spätestens Anfang September

Fließt der Federweiße ins Glas, können Experten daraus erste Aussagen zur Qualität eines Jahrgangs ableiten. Ingo Steitz, Präsident des Weinbauverbands Rheinhessen, erwartet den Beginn der Hauptlese gegen Ende August oder Anfang September.